[13] Klemens Bottigs Antrittsartikel im K 23, erschienen im Okt. 1994

 

Neuer Priester an der Erlöserkirche

 

Neugierde - Enttäuschung - Hoffnung - Gleichgültigkeit - Vielleicht wird eines dieser Gefühle hochkommen, wenn Sie jetzt erfahren, dass an der Erlöserkirche ein neuer Priester ist. Oft ist es ja auch so, dass man kaum Kontakt zu einem konkreten Priester oder einer konkreten Kirche hat und einander erst zu einem bestimmten Anlass (z. B. Taufe, Hochzeit, ...) kennenlernt.

 

Um erste Kontakte etwas zu erleichtern, möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin in Wien 22 aufgewachsen und besuchte dort Kindergarten, Volksschule und die AHS. Nach der Matura habe ich ein Jahr lang Lebensmittel- und Gärungstechnologie studiert und bin dann in das Wiener Priesterseminar eingetreten. Nach fünf Jahren Studium war ich ein Jahr Diakon in Breitenwaida, Bergau und Sonnberg, drei Jahre Kaplan in Stockerau und zwei Jahre Kaplan in den Pfarren Gloggnitz und Prigglitz.

 

Mein Entschluss, die Berufung zum Priester anzunehmen, hängt stark mit den Erfahrungen zusammen, die ich als Jugendlicher und junger Erwachsener in meiner Heimatpfarre in Neu-Kagran machen durfte. Dass Menschen auch über die Generationen hinweg miteinander feiern, diskutieren, lachen, sich für das Leben einsetzen, einander zuhören, ernst nehmen, helfen, trotz Streitigkeiten zusammenhalten, habe ich in dieser Dichte bis jetzt nur in christlichen Gemeinden erlebt. Natürlich war es nicht immer so "himmlisch", wie ich es jetzt in kurzen Worten zu erzählen versuche. So wenig, wie der Bratenduft der Braten selbst ist, ist eine christliche Gemeinde der Himmel. Aber so viel, wie einem der Bratenduft Freude und Hoffnung auf ein gutes Essen macht, habe ich christliche Gemeinde als Freude und Hoffnung des Himmels erlebt. Von dieser Erfahrung her sehe ich die Aufgabe der Priester in den christlichen Gemeinden darin mitzuhelfen, dem Himmel näher zu kommen.

 

Die Lebenskraft, die hinter diesen Gemeinden und Gemeinschaften steckt, sind nicht nur soziale, psychische oder sonstwie menschliche Kräfte. Gott selbst ist die Kraft, die Menschen zusammenhält und zum Leben ermutigt. So soll der Priester auf der anderen Seite (im wahrsten Sinne des Wortes) auch Zeichen und Darsteller sein: Gott ist mit uns!

Ihr Klemens Bottig, Rektor an der Erlöserkirche

 

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